Ein Knigge-Projekt zum Nachmachen in Ihrer Klasse

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Angemessenes Sozialverhalten sollte ein Kind genauso lernen wie Lesen und Schreiben. Auch wenn zum größten Teil die Eltern in die Verantwortung genommen werden, können (und müssen) wir als Lehrer ebenso unseren Beitrag dazu leisten.

„Nach Knigge …“ Diese Formulierung kennen vielleicht schon einige Kinder, wissen aber nicht wirklich etwas damit anzufangen. Allein der ungewöhnliche Name wird Ihre Schüler neugierig auf das Projekt machen.

Einige Hinweise zum Projekt

Das folgende Projekt eignet sich besonders für die 3. und 4. Klassen, denn die Schüler müssen schon geübt selbstständig arbeiten können. Im Rahmen des verbindenden bzw. übergreifenden Unterrichts finden Sie passend zu den Beispielen die Unterrichtsfächer, die Sie nach Bedarf in das Projekt einbeziehen können. Der folgende Vorschlag bezieht sich auf die Dauer von 3 Schultagen, die aber nicht aufeinander folgen müssen.

Tag 1:

Die Schüler lernen Knigge und seine Zeit kennen. Die Kinder erarbeiten das „Knigge-Projekt“ selbst. Zuerst bilden Ihre Schüler Teams mit 3 oder 4 Teilnehmern. Diese finden heute im Deutsch-, Förder- oder Sachunterricht einige Fakten über den Freiherrn von Knigge und seine Zeit heraus. Die Kinder suchen sich die Themen für den Knigge-Tag selbst, aber auch folgende Beispiele können genutzt werden:

Das sind mögliche Arbeitsthemen:

für den Sachkunde / Förderunterricht:

  •  „Sucht eine Biografie (Lebenslauf) des Freiherrn von Knigge! Nutzt dazu z. B. Lexika oder das Internet!“
  • „Findet Informationen über die Zeit, in der Herr von Knigge lebte (Mode, Lebensgewohnheiten)! Nutzt dazu Bücher aus der Schulbücherei, das Internet, euren Sachkunde-Hefter oder die Kostüme der Laienspielgruppe! Ihr könnt auch für den 2. Projekttag eine kleine Modenschau vorbereiten. Wenn ihr Bilder entdeckt, hängt diese an der Pinnwand auf!“
  •  „Wie erzog man damals Jungen und Mädchen? Führt dazu Befragungen durch, nutzt das Internet oder euren Sachkunde-Hefter!“
  •  „Erklärt, was man unter der sogenannten ‚Zucht und Ordnung‘ verstand! Sagt eure Meinung dazu!“

für Deutsch-Ausdruck:

  •  „Nennt einige Verhaltensregeln, die er aufstellte, und sagt, wozu diese gedacht waren! Führt dazu Befragungen durch, nutzt die Schulbücherei und das Internet! Ihr könnt auch für den 2. Projekttag ein kleines Rollenspiel vorbereiten.“
  • „Denkt darüber nach, welcher Umgangston gegenüber Freunden und Erwachsenen gewählt werden sollte! Begründet eure Meinung!“
  •  „Überlegt, wie Konflikte gewaltfrei gelöst werden. Bereitet einen kleinen Dialog vor!“

Diese Hausaufgabe können Sie stellen:

Da am 3. Projekttag ein gemeinsames Schulfrühstück geplant ist, teilen die Teams ein, wer welche Speisen (z. B. Obst, Knäckebrot, Milch) mitbringt. Die Kinder sorgen auch für das nötige Geschirr.

Tag 2:

Die Gruppen stellen vor, was sie erarbeitet haben Am 2. Projekttag präsentieren die Forscher- Teams ihre Ergebnisse. Sie können dazu Ausstellungen (z. B. an der Pinnwand) nutzen oder die Modenschau kann vorgeführt werden.

Die folgenden Informationen sollten Ihre Schüler gefunden haben:

Adolph Freiherr von Knigge wurde 1752 bei Hannover geboren. Er starb 1796 in Bremen. Knigge war ein deutscher Schriftsteller, sein berühmtestes Buch heißt „Über den Umgang mit Menschen“. Darin steht, wie Menschen miteinander umgehen sollten: höflich, rücksichtsvoll, einfühlsam. Sie sollten einsehen, dass jeder anders ist und leben darf, wie er es für richtig hält. Viele Menschen dachten damals ganz anders als er über diese Dinge. Beispielsweise stehen in diesem Buch Kapitel wie „Über den Umgang mit Freunden“ und „Über den Umgang mit sich selbst“. Der Verlag, der das Buch herstellte, hängte nach dem Tod Knigges einige eigene Kapitel an. Darin stehen Benimmregeln und wie man sich richtig kleiden soll. Deshalb denken viele Menschen heute noch, dass Knigge sich mit z. B. Sitzordnungen am Tisch beschäftigt hat.

Praxistipp

Auf der Internet-Seite „gutenberg.spiegel.de“ finden Sie Knigges Lebenslauf, alle seine Werke und die vollständige Ausgabe von „Über den Umgang mit Menschen“.

Ziehen Sie gemeinsam mit den Kindern Schlussfolgerungen, ob und inwiefern der „Knigge“ heute noch gültig ist. Erarbeiten Sie gemeinsam einige aktuelle Stichpunkte für gutes Benehmen, nach denen die Schüler sich richten wollen, z. B. Konfliktlösung, Höflichkeit. Lassen Sie die Kinder eine Tabelle anlegen und diese Regeln hineinschreiben. Jeder Schüler schätzt damit bis zum 3. Projekttag seine Mitschüler ein (nutzen Sie dazu die Muster-Regel-Tabelle).

Muster-Regel-Tabelle
Name Höfliche Umgangsformen Konfliktlösung Hygiene Tischmanieren
sehr gut gut nicht so gut gar nicht gut sehr gut gut nicht so gut gar nicht gut sehr gut gut nicht so gut gar nicht gut sehr gut gut nicht so gut gar nicht gut
Max xx x x x x xx

Eine Gruppe präsentiert ihr erarbeitetes Rollenspiel

Als Zusammenfassung des theoretischen Teils des „Knigge-Projekts“ bietet sich für den Deutsch-Unterricht ein lustiges Rollenspiel an. Das Team, das sich am ersten Tag darauf vorbereitet hat, präsentiert das Stegreifspiel: „Wenn ich den Freiherrn von Knigge getroffen hätte …“ Diese Schwerpunkte können enthalten sein:

  • Begrüßung, Dank für die Einladung, Platz anbieten
  • Fragen nach dem Wohlergehen und Befinden
  •  Selbst gewähltes Thema besprechen lassen
  • Verabschiedung

Fällt Ihren Schülern das Spiel schwer, lassen Sie das folgende Beispiel lesen, erklären und nachspielen:

Schüler: „Guten Tag und vielen Dank für die Einladung, Herr von Knigge. Es freut mich sehr, ihn zu treffen.“ Knigge: „Guten Tag, Herr… Setze er sich bitte. Hat er eine gute Reise gehabt?“

Schüler: „Danke der Nachfrage. Die Reise war recht beschwerlich.“

Knigge: „Das bedaure ich sehr. Wie geht es seiner Frau Mutter?“

Schüler: „Danke, den Umständen entsprechend gut. Und ihm selbst?“

Knigge: „Danke, ich kann nicht klagen.“

Schüler: „Es tut mir leid, aber ich bin sehr in Eile.“

Knigge: „Darf ich ihn zur Tür geleiten? Besuche er mich einmal wieder, vielleicht hat er dann etwas mehr Zeit. Grüße er seine Frau Mama von mir.“

Schüler: „Das werde ich gern. Es war mir ein Vergnügen, ihn getroffen zu haben.“

Knigge: „Auf Wiedersehen.“

Tag 3:

Die Kinder bereiten ein Schulfrühstück vor Wie am ersten Projekttag besprochen, soll das Frühstück von den Kindern selbst hergestellt und verzehrt werden. Dabei ist es für Sie möglich, wieder fächerverbindend zu arbeiten. Diese Vorschläge können Sie für Ihre Klasse nutzen:

  • Zubereiten eines Obstsalates mit Wiederholung der Obstsorten im Fach Begegnungssprache oder Sachkunde
  • Belegen eines Brotes in Verbindung mit gesunder Ernährung / Getreide in Sachkunde oder zwecks Beschreibung einer Tätigkeit in Deutsch-Ausdruck; auch eine Sandwich-Zubereitung in Englisch bietet sich an

Jeder Schüler achtet beim Zubereiten der Mahlzeit besonders auf den höflichen Umgangston, auf Hilfsbereitschaft und auf die hygienischen Verhaltensweisen (z. B. Hände waschen) bei sich selbst und bei seinen Mitschülern. Selbstverständlich wird gemeinsam mit dem Frühstück begonnen. Alle achten dabei besonders auf die Tischsitten. Danach ergänzen die Kinder ihre Regel-Tabellen.

So werten Sie das Projekt aus

Ihre Schüler hängen die ausgefüllten Regel-Tabellen an die Pinnwand und schätzen die Einhaltung der Knigge-Klassenregeln ein. Dabei ziehen die Kinder Schlussfolgerungen für ihren persönlichen Schulalltag, sprechen dabei aber auch über mögliche Schwierigkeiten.

Auch eine (anonyme), schriftliche Auswertung ist möglich. Ihre Aufgabenstellung könnte sein: „Berichte über das Knigge- Projekt und schreibe auf, was dir (nicht) gefallen hat! Begründe deine Meinung!“

 

 

 

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